Motorola: Alle haben schon vergessen, wie letzen Sommer die ukrainische Armee Menschen in Nikolaewka verbrannt hat

Motorola: Alle haben schon vergessen, wie letzen Sommer die ukrainische Armee Menschen in Nikolaewka verbrannt hat | Русская весна

Er ist 32 Jahre alt, hat eine Frau und Tochter. Er sitzt am Tisch auf der offenen Terasse des Cafes „Legende“ in der Gesellschaft drei andereр Soldaten aus „Sparta“. Sie trinken Kaffee. Das einzige, womit sie sich von den anderen Besuchern unterscheiden, sind die Maschinengewehre auf dem Schoss und die Tarnkleidung.

Sein Rufname ist „Motorola“. Ich setze mich ihm gegenüber, er sieht mich an, und ich sehe auf das Maschinengewehr, das er fest in der Hand hält.

- Lange nichts von dir gesehen und gehört... Was machst du, wie sind deine Pläne?

- Ich habe kein Ziel ständig im Informationsraum präsent zu sein. Mein Teil des Informationskrieges habe ich erfüllt. Jetzt haben wir ein Aufklärungbataillon – unsere Tätigkeit zu filmen ist irgendwie nicht passend. Jetzt beschäftigen wir uns mit der Produktion, - er zeigt auf den Tisch, wo ein Zinnsoldat mit der Gravur „Zug vom Motorola im Gefecht“ liegt, - und überhaupt habe ich heute früh verstanden, dass ich verkauft und gekauft werde. - Sein rotes, wie Donezksonne, Bärtchen lacht mit ihm zusammen. Das dauert einige Sekunden, aber dann, wie auf Befehl, werden beide augenblicklich ernst. - Nur kriege ich keine Prozente.

Ich bitte ihn über seine Sicht auf den Konflikt zu erzählen mit Berücksichtigung aller politischen Ereignisse der letzten Zeit.

- Ganz am Anfang des Krieges, noch in Slawjansk, probierte die ukrainische Armee langsam mit der Artillerie – er betont besonders das Wort Artillerie, indem er es gezogen ausspricht, - sie haben verstanden, dass sie das ungestraft machen dürfen. Jetzt haben sie vor nichts Angst, es ist ihnen alles egal. All diese Weltgemeinschaft, dieses Geplupper, all diese Friedensgespräche.. Hier braucht man konkrete Handlungen. Solange wir die Faschisten nicht stoppen, wird es nichts Gutes geben.

- Warum haben sie keine Angst?

- Weil die Weltgemeinschaft nichts gegen sie unternimmt. Sie [ukrainische Armee – Autor] töten in Ruhe und ungestraft Zivilisten, und es passiert ihnen nichts, also machen sie sich auch keine Sorgen.

- Und macht sich die Volkswehr Sorgen?

- Natürlich. Die Volkswehr macht sich Sorgen, weil die meisten Menschen in der Volksarmee Donbass die Einwohner der Volksrepubliken Lugansk und Donezk sind, das heißt, das sind Menschen von dem okkupierten Territorium. Natürlich sind sie besorgt um ihr Territorium, um ihre Häuser.

- Und um was bist du persönlich besorgt?

- Ich bin um das Volk besorgt. Das Wichtigste ist, die Sorge ums Volk. Ich sorge mich darum, dass die ukrainische Armee straflos das Volk vernichtet. Hält dieses Territorium für ihr eigen. Und wenn es ihr eigen ist, dann natürlich auch das Volk. Trotzdem vernichten sie es. Das nennt man Genozid. - Seine Stimme klingt gereizt. - Es gibt einige Momente, die man erfüllen könnte, aber... um das Volk zu beschützen, soll man das nicht machen. Wir versuchen uns irgendwie einzuschränken. - Er spricht über die Volkswehr von Donbass.

- Kannst du diese Momente nennen?

- Nun, es gibt unterschiedliche Momente. Wenn von unserer Seite irgendeine Provokation passiert, leiden darunter die Zivilisten, die gezwungen sind nach Hause zurück zu kehren, um nicht obdachlos zu sein. Nicht im Russland und nicht in der Ukraine. Sie wollen alle nach Hause zurück kehren. Diejenigen, die in den Wohnungen wohnen, sie haben ihre Wohnungen stehen gelassen. Jetzt kehren sie zurück mit den Familien, weil sie keine Lust haben als Flüchtlinge zu leben, bei den Fremden zu leben, irgendwie zu existieren ohne sichere Einkünfte. Zu überleben. Sie wollen zu Hause wohnen und arbeiten gehen. Jetzt ist es so, dass die Menschen zurückkehren und die kleinste Provokation unsererseits zu einer Katastrophe für sie führen könnte. Sie könnten unter den Artilleriebeschuss geraten und so weiter.

- Aber das kann dir auch passieren, - ich frage ihn über seine Frau, wie sie das findet, dass ihr Mann jeden Tag in den Krieg geht.

- Natürlich hat sie jedes Mal Angst, wenn ich aus dem Haus gehe. Sie macht sich Sorgen um mich. Weil sie nicht weiß, wie alles endet. Ich stehe morgens auf, gehe raus und sie weiß nicht, ob ich am Abend zurückkehre. Sie macht sich den ganzen Tag Sorgen. - Seine Stimme wird leiser. Motorola senkt seinen Blick, als würde er eine Schuld verspüren. - Aber sie sagt mir nicht „es reicht“, sie versteht, was ich mache, und warum ich es mache. Sie ist aus Slawjansk. Damit ist im Prinzip alles gesagt.

- Jetzt explodieren jeden Tag um dich herum Geschosse, an dir vorbei fliegen Kugeln, Menschen sterben, ganze Bezirke werden vernichtet. Ich glaube, dass das alles früher oder später endet. Und was für ein Leben siehst du dann für dich und dein Kind?

- Mein Kind wird auf seinem Boden leben mit seinem Volk. Es wird keine Menschen geben, die ihn für einen Untermenschen halten, wie die Ukrainer. - Seine Augen glänzen. Er glaubt das. - Die ukrainische Macht hält die Menschen von Donbass für Untermenschen und vernichtet sie einfach. Es ist einfach ein Ziel – sie zu vernichten. Je mehr Menschen sie hier vernichten, desto mehr Menschen werden sie hier ansiedeln. Die Menschen, die ihre Politik unterstützen, die ihre verfaulte Denkweise unterstützen. Sie werden diese Menschen hierher ansiedeln und dann hier alles ausbeuten, was nur möglich ist.

- Das heißt, sie brauchen nicht die Menschen, sie brauchen den Boden?

- Hier gibt es ein großes Kohlebecken, das „Donbass“ heisst, - Motorola spricht das Wort „Donbass“ so, wie nur die Eingeborenen dieser Region das aussprechen können, indem jeder Buchstabe betont wird. - Es umfasst viele Regione. Ein Teil des Gebietes Rostow, Volksrepublik Lugansk, Volksrepublik Donezk, Zaporozhje. Deswegen brauchen sie keine Menschen. Dieser Genozid ist schon seit Slawjasnk eine bewiesene Sache – volle Blockade, die Benutzung der Artillerie gegen eine Stadt mit der friedlichen Bevölkerung, fehlende humanitäre Korridore. Wenn wir uns an den letzten Sommer erinnern, die Menschen, die bei Stepanowka, Dmitrowka, Marinowka getötet wurde, die einfach mit ihren Familien auf dem Fluchtweg nach Russland waren, um sich vor den Beschüssen zu retten – sie wurden einfach unterwegs verbrannt. Hunderte Autos mit den toten Zivilisten standen rum. Das haben alle einfach vergessen, jetzt erzählt man viel über irgendwelche lokale Kämpfe an der Frontlinie, aber keiner kehrt zurück zum letzten Jahr, als die Menschen einfach in Scharen getöten wurden. Die Zivilisten flüchteten mit den Familien und sie [ukrainische Armee – Autor] saßen im Panzer oder Schützenpanzer und spielten, wer schneller ist, wer mehr Autos erwischt und beschossen sie. Haben sie einfach verbrannt. In Dmitrowka, Stepanowka, Marinowka. Alle haben Slawjansk vergessen. Alles haben Nikolaewka vergessen. Über Nikolaewka erzählt man überhaupt nichts mehr. Obwohl sie nahe war, gab es dort praktisch keine Kampfhandlungen. Und vom einen Tag auf den anderen wurden dort plötzlich „Pionen“, „Tulpen“, „Grad“, „Uragan“, „Smertsch“ [Raketenwerfersysteme] eingesetzt, – er betont jedes Wort. - An einem Tag wurde halbe Stadt vernichtet. Eine sehr große Anzahl der Menschen wurde getötet. Eine riesige Anzahl der Menschen, - verdeutlicht Motorola. - Daran erinnert sich keiner.

- Warum?

- Jetzt sind alle fixiert auf: Marjinka, Flughafen, Schirokino...

- Vielleicht sind alle fixiert, weil die Beschüsse während des laufenden Waffenstillstandes passieren. Wie siehst du das, wenn Donbass ein Teil der Ukraine bleibt?

- Man kann die Menschen nur zwingen in der Ukraine zu leben, wenn, - er zündet eine Zigarette an, - wenn unsere Armee vernichtet wird und alle Menschen, die uns unterstützen, auch. Und der kleine Anteil, der das Regime unterstützt, der bleibt. So war es in der Sowjetunion: aus einer Region wurden Menschen in eine andere umgesiedelt und diese Fragen wurden regional gelöst. Keinen Widerstand, keine Aufständischenbewegung. Nur so. Andere Zukunft [mit der Ukraine – Autor] kann es nicht geben.

- Siehst du seitens der Ukraine die Bereitschaft zum Frieden?

- Als der Krieg gerade anfing, konnte man alles friedlich lösen, wenn die ukrainische Armee die Kontrolle übernommen hätte. Aber für die ukrainische Armee war es einfacher die Menschen zu vernichten als das ganze ukrainische Volk von den Faschisten zu befreien, die ungesetzlich die Macht ergriffen haben. Sie [ukr.Armee – Autor] haben ihre Wahl getroffen und haben sich an die Seite der Macht gestellt. Obwohl bei Kutschma, in 1993, alles anders war. Damals stellte sich die Armee an die Seite des Volkes. Es hätte das selbe damals schon anfangen können. Nur die, die nicht mit der Macht einverstanden waren, grob gesagt, einige hundert Tausend Menschen, haben für die Millionen beschlossen, wie sie weiter leben, welche Sprache sprechen sollen, was essen, was trinken, was sagen, wohin fahren und wohin nicht, wer gut ist und wer schlecht.

- Ich hoffe, dass der Konflikt doch mit politischen Mitteln geregelt werden kann, und die Kämpfe aufhören. Was planst du dann zu tun? Wirst du dann Politiker, oder vielleicht ein Geschäftsmann, bleibst in der Armee, irgendwas anderes?

- Von der Politik und Geschäft kann nicht die Rede sein. Ich bin fern von einem wie vom anderen. Ich bin kein Geschäftsmann und kein Politiker.

- Wer bist du dann?

- Ich bin ein einfacher Arbeiter. Ich arbeite. Ich arbeite mit meinen Händen und verdiene damit mein Geld – das ist mein Weg. Ich brauche nichts anderes, um meine Familie zu versorgen. Ich muss nicht anstreben mehr als andere zu verdienen, um besser zu sein als die anderen. Es gibt so ein Niveau für einen normalen arbeitenden Menschen. Für mich ist es, finde ich, normal.

- Was ist Geld für dich?

- Wenn der Mensch Geld verdienen möchte, um seine Familie zu versorgen, dann kann er das machen. Man muss nicht Politiker oder Geschäftsmann werden. Jedem das Seine. Wenn jemand Politik oder Geschäfte machen kann, dann macht er das, wenn er das nicht kann – dann ist er ein einfacher Arbeiter.

- Was hast du in der Kindheit geträumt, was du werden wolltest?

- Ich erinnere mich nicht, - sagt er wie abgehackt und zieht sich zusammen.

- Wie warst du damals? - Ich weiß nicht, wie ich in der Kindheit war, weil ich mich nicht erinnere. - er meidet offensichtlich das Thema. - Ich bin in den 90-er aufgewachsten und bezweifele, dass ich eine gute Kindheit hatte. Oder vielleicht, wie bei allen Kindern.

Er blickt zur Seite und beobachtet etwas mit Interesse. Ich drehe mich um: „Könnten Sie uns 2 Griwna geben“, hinter meinem Rücken sind drei Jungs, ungefähr 12.

- Hier, - einer derjenigen, die von mir rechts sitzen, gibt ihnen ein 20-Griwna-Schein. - teilt nur untereinander auf.

- Was passiert jetzt bei der Volkswehr? Wie ist die Stimmung?

- Ich weiß nicht, in meinem Bataillon ist die Stimmung normal.

- Stabil?

- Stabil normal – er lacht, - über die anderen weiß ich nichts. Das ist doch keine Volkswehr merh, das ist eine Armee. Die Armee der Volksrepublik Donezk.

Er rückt das Maschinengewehr zurecht.

- Ist es geladen? - frage ich und zeige auf seine Waffe.

- Natürlich, ich würde mit einer leeren Waffe nicht herumlaufen. Ich schmücke mich doch nicht damit.

- Und was ist das? - ich zeige auf eine Pistolentasche am rechten Bein.

- Eine Pistole, - antwortet er kurz.

- Ist es schwer das alles zu schleppen? Obwohl jetzt, im Sommer, ist es wahrscheinlich leichter...

- Im Winter, im Sommer – ich sehe keinen Unterschied

*** - Laßt uns fahren, los! – Alle setzen sich in einen schwarzen Mercedes-Jeep, schalten die Musik ein und verlassen ohne Eile „Legende“. Das Gespräch führte Darina Ewtuschenko, „Ukraina.ru“.

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