Exklusiv aus Donezk: Kultur unter Feuer

Exklusiv aus Donezk: Kultur unter Feuer | Русская весна

Der Berliner Filmemacher Tom Franke und der Journalist Armin Siebert arbeiten an einem Dokumentarfilm über die Kulturszene in der ukrainischen Frontstadt Donezk, ein gewagtes Unternehmen. Sie begleiten den Berliner Geiger Mark Chaet auf einer Reise in seine Vergangenheit, in seine frühere Heimat.

Donezk ist Kampfgebiet, nach wie vor. Die Stadt liegt täglich unter Feuer, trotz aller vereinbarten Waffenstillstände. Unter diesen Bedingungen ist es auch schwer für die Kultur.

Das Zentrum der Stadt ist als Kampfgebiet fast nicht erkennbar. Die Straßenbahnen fahren. Schäden werden schnell repariert. Mark Chaet sagt, so sauber hat er die Stadt noch nie gesehen. Die Menschen flanieren durch die Straßen. Für sie ist es eine bewusste Entscheidung, in ihrer Heimatstadt zu bleiben. Und man soll es nicht glauben, die Oper, deren Fundus zerstört wurde, spielt wöchentlich, die Philharmonie konzertiert regelmäßig und eine Band gibt ein Konzert.

Die Kollegen haben Eindrück wie diese in der Donbass-Stadt gesammelt und Künstler getroffen, die die Kultur lebendig halten. Sie haben eine Aufführung der "Carmen" in der Oper besucht und mit der Regisseurin gesprochen, sie haben einen Liedermacher getroffen, der seine Songs live im Internet vorträgt, und ein Spontan-Konzert der Rockband "Die Partisanen" im Keller der Stadtbibliothek erlebt.

Valentina Kurktschi-Maksina gehört seit 40 Jahren zum festen Ensemble der Oper in Donezk. Am ersten Mai wird die Oper aus diesem Anlass einen Konzertabend veranstalten. Das Haus selbst arbeitet seit den Beschüssen unter widrigsten Umständen - aber es probt, bringt Stücke zur Aufführung und spielt vor vollem Haus.

Und plötzlich begann der Kronleuchter zu zittern und es fielen sogar einige Kristallelemente herunter. Und trotzdem hat nicht ein Zuschauer den Saal verlassen, obwohl direkt gegenüber vom Theater Rauch und Chaos herrschte. Nach dem zweiten Akt sind alle raus und haben telefoniert, ob ihre Leute noch Leben, was passiert ist. Aber dann sind sie wieder reingekommen zum dritten Akt und haben sich auch den bis zum Ende angehört.

Valentina Kurktschi-Maksina, Regisseurin an der Oper von Donezk

In den Interviews wird deutlich, dass die Menschen, die jetzt noch in Donezk leben, sich bewusst dafür entschieden haben. So wie der Musiker Roman Suchochenko. Er singt in der Band "Partisany", hat tagsüber einen ganz normalen Job und zu Hause zwei kleine Söhne, sie sind zwei und drei Jahre alt.

Das ist meine Heimat. Ich bin hier geboren. Und ich will gar nicht das Glück woanders suchen, nicht in einem anderen Land und nicht mal in einer anderen Stadt.

Roman Suchenko, Musiker in Donezk

Tom Franke am 14. April aus Donezk für Artour

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